Kreislaufwirtschaft - Circular Economy

Was ist Kreislaufwirtschaft?

Kreislaufwirtschaft oder 'Circular Economy' bezeichnet ein Modell, bei dem Wirtschaftswachstum nicht mit der Ausbeutung und dem Verbrauch von natürlichen, nicht-regenerativen Ressourcen einhergeht.

Ziel einer Kreislaufwirtschaft ist eine ressourceneffiziente und nachhaltige Verwendung von natürlichen Rohstoffen, deren Weiter- und Wiederverwertung innerhalb eines Kreislaufsystems und die Vermeidung von Abfällen. Die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft soll dabei nicht im Widerspruch stehen zu wirtschaftlichen Interessen.
Letztere werden dadurch bedient, dass im System der Kreislaufwirtschaft Unternehmen einen zusätzlichen Wert aus den eingesetzten Materialien generieren und die Beschaffungsrisiken in Form von Materialkosten, Preisvolatilitäten und Lieferengpässen reduziert werden.

Im Unterschied zur Linearwirtschaft stehen Ökologie und Ökonomie in der Kreislaufwirtschaft deshalb nicht in Konkurrenz zueinander.

Linearwirtschaft und Kreislaufwirtschaft

"Abbauen - Produzieren - Entsorgen" vs "Wiederverwerten, Reparieren, Recyceln". Zwei gegensätzliche Konzepte mit unterschiedlichen Auswirkungen auf den Verbrauch von Ressourcen und Belastungen für die Umwelt.

Linearwirtschaft (Linear Economy)

In der Linearwirschaft werden Ressourcen und Rohstoffe gefördert, verarbeitet und in der Regel für einen bestimmten Verwendungszweck genutzt. Nach Ablauf der Produktlebensdauer (end of life) werden die Produkte auf der Mülldeponie entsorgt oder thermisch verwertet. Linearwirtschaft wird daher oft auch als "Wegwerfwirtschaft" bezeichnet.

Kreislaufwirtschaft (Circular Economy)

Flüssse im Kreislauf einer Circular Economy

In einer Kreislaufwirtschaft werden Ressourcen über eine möglichst lange Nutzungsphase in einem Kreislaufsystem gehalten. Die Materialien sollen für mehrere Verwendungszwecke eingesetzt und möglichst oft in den Wertstoffkreislauf rückgeführt werden. Der ökologische Vorteil der Kreislaufwirtschaft besteht darin, dass weniger Abfälle entstehen und der Abbau fossiler Ressourcen minimiert wird.

Video über Kreislaufwirtschaft (von Ellen MacArthur Foundation)

Wie misst man die Kreislauffähigkeit?

"Copyright © Ellen MacArthur Foundation [2015] and Granta Design."

Die Kreislauffähigkeit - auch "Materialzirkularität" - ist ein Ausdruck für die Kompatibilität des zu untersuchenden Modells mit dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft.

Doch wie lässt sich wissenschaftlich fundiert beurteilen, in welchem Maß und wie effektiv Unternehmen oder Produkte der Kreislaufwirtschaft entsprechen und welche Fortschritte sie machen in ihrer Entwicklung weg vom linearwirtschaftlichen Modell hin zu einem kreiswirtschaftlichen System?

Valide Informationen hierzu waren in der Vergangenheit nur schwer zu bekommen, die Aussagen in dem Zusammenhang eher vage und unverbindlich.

In dem Projekt "Circularity Indicators" haben die EllenMacArthur Foundation und Granta Design eine Methodik entwickelt, um die Kreislauffähigkeit ("Circularity") von Produkten und Unternehmen faktenbasiert zu erfassen.

Material Cricularity Indicator (MCI)

Der Material Cricularity Indicator (MCI) oder "Materialzirkularitätsindikator" bildet auf einer Skala von 0 bis 1 das Ausmaß der Kreislauffähigkeit des Materialflusses ab. Je höher die Punktzahl, desto kreislauffähiger oder "zirkulärer" das Produkt.

Der MCI kann für Produktdesigner und Einkäufer eine Entscheidungsgrundlage bei der Auswahl von Materialien sein, für Reportings verwendet werden oder zur Bewertung von Unternehmen dienen. Hierbei gilt die Annahme, dass sich die Kreislauffähigkeit eines Unternehmes aus den einzelnen Materialzirkularitäten seiner Produkte zusammensetzt.

MCI=1

Um ein Ergebnis von 1 zu erhalten, müssten alle verwendeten Rohmaterial aus wiederverwerteten Komponenten oder aus recycelten Materialien stammen, ohne irgendwelche Verluste beim Recycling (100% Recycling-Effizienz). Jegliche Abfälle, die bei der Herstellung und beim End of Life des Produktes anfallen, müssten ebenfalls ohne Verluste wiederverwendet oder recycelt werden ("Zero Waste").

MCI=0,1

Ein Produkt mit vollständig linearen Materialflüssen, in dem alle Rohstoffe aus Neuware stammen und keine Abfälle wiederverwendet oder recycelt werden, wird mit 0,1 bewertet. Um einen Wert unter 0,1 zu erreichen, müsste der Nutzen des Produktes geriner sein als der eines durchschnittlichen Industrieprodukts (d.h. das Produkt müsste eine kürzere Lebensdauer oder eine geringere Nutzungsintensität haben). Ein Produkt mit vollständig linearen Materialflüssen, aber mit einem höheren Nutzen als ein durchschnittliches Industrieprodukt, würde einen MCI > 0,1 aufweisen.

LCA und MCI zur Verbesserung der Produktnachhaltigkeit

Unternehmen, die die Nachhaltigkeit Ihrer Produkte verbessern bzw. zunächst überhaupt ihren Ist-Zustand bestimmen möchten, setzen häufig Ökobilanzen (Life Cycle Assessment, LCA) ein. Hierbei werden sämtliche ein- und abgehende Material- und Energieflüsse eines Produkts über dessen ganzen Lebenszyklus erfasst und auf dieser Basis die resultierenden möglichen Umweltwirkungen abzuleiten.

Um Ökobilanzen erstellen zu können, ist eine Vielzahl an Daten notwendig, um die zugrunde liegenden Prozesse abzubilden: Wie setzt sich der Strommix z.B. in Deutschland zusammen und wie viel CO2 entsteht beim Verbrauch von 1000 kwh?
Solche Informationen liefern GaBi Datenbanken, die Bestandteil der GaBi-Software-Pakete sind.
Zusätzlich werden unternehmens- oder herstellungsspezifische Informationen benötigt wie sie etwa Stücklisten zu entnehmen sind.

Gleiches gilt für den Material Circularity Indicator: Um diesen berechnen zu können und die Kreislauffähigkeit zu bewerten, wird eine valide Datenbasis benötigt. Dabei ist die Schnittmenge zwischen den Daten, die für Ökobilanzen verwendet werden, mit den für MCI-Berechnungen benötigten Daten sehr groß.

Unternehmen, die bereits Ökobilanzen erstellen, können auf Basis ihrer Ökobilanzdaten mit überschaubarem Aufwand auch ihre Kreislauffähigkeit berechnen.

Mit dem GaBi Circularity Toolkit steht ihnen zudem ein Werkzeug zur Verfügung, das auf Basis der GaBi Ökobilanz-Software durch zusätzliche MCI-Metriken sowohl die Erstellung von Ökobilanzen ermöglicht als auch die Berechnung des Material Circularity Indicator - und in dieser Form einzigartig ist auf dem Markt.


Kontakt
Nicole Zuhl

Nicole Zuhl
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Verwandte Themen und Links

Kreislaufwirtschaft Definition

Eine Kreislaufwirtschaft oder Circular Economy kann definiert werden als ein weitestgehend in sich geschlossenes Kreislaufsystem, wo alle eingesetzten Materialien und Energieen nach Gebrauch nicht entsorgt oder emittiert werden, sondern durch ständige Wieder- und Weiterverwertung dem Kreislauf erhalten bleiben.

GaBi Circularity Toolkit

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Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) und Abfallgesetz (AbfG)

Das in Deutschland geltende Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), früher "Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG)", dient dem Schutz natürlicher Ressourcen durch Förderung einer Kreislaufwirtschaft von der "Wiege bis zur Wiege" (cradle to cradle) und eines umweltgerechten Umgangs mit Abfällen. Abfälle sollen in erster Linie vermieden (Zero Waste), wiederverwendet, recycelt oder auf sonstigem Wege weiterverwertet werden. Die schlechteste Option ist die Deponierung. Das KrWG ist Bestandteil des deutschen Abfallrechts.

EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft

Die Europäische Kommision hat 2015 den "Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft" beschlossen mit dem Ziel, eine nachhaltige, ressourceneffiziente kreislauforientierte Wirtschaft zu gestalten, die Europa langfristig Wettbewerbsvorteile verschaffen soll. Der Aktionsplan beinhaltet einen Maßnahmen-Katalog u.a. für die Bereiche Produktion (z.B. Ökodesign), Verbrauch (z.B. Verhinderung von Lebensmittelverschwendung) und Entsorgung (z.B. Recyclingfähigkeit).

EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft

Cradle to Cradle Prinzip (C2C Prinzip)

Cradle-to-Cradle® beschreibt ein von Michael Braungart und William McDonough entwickeltes Konzept für das 'zirkuläre Design' von Produkten. Es unterscheidet zwischen einer Technosphäre, in der nicht organische Materialien wie z.B. Metalle wieder und wieder verwendet werden, und einer Biosphäre, in die organische Abfälle rückgeführt werden können und dort wieder teil des natürlichen Kreislaufs werden. In diesem Zusammenhang spricht man auch von "Ökoeffektivität".

Mehr über Cradle-to-Cradle

Ellen MacArthur Foundation

"Copyright © Ellen MacArthur Foundation [2015] and Granta Design."

Ellen MacArthur wurde bei ihrer Weltumseglung 2005 die Dringlichkeit bewusst, beim Umgang mit natürlichen Ressourcen einen Wandel einzuleiten. In den Folgejahren führte sie Gespräche mit Experten und Industrievertretern aus unterschiedlichen Ländern und Branchen über die Verwendung von Rohstoffen.

Ellen MacArthur Foundation
Im Jahr 2010 gründete sie die Ellen MacArthur Foundation mit dem Ziel, in Gesellschaft, Politik und Industrie den Übergang von einer konsum- und verbrauchsorientierten Linearwirtschaft hin zu einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.

Seither sind zahlreiche globale Unternehmen Partner der Ellen MacArthur Foundation. Die gemeinnützige Stiftung ist zudem in beratender Form tätig und unterstützt u.a. die Europäische Kommission bei Entscheidungsprozessen und Gesetzesinitiativen - wie etwa bei der Entstehung der "Europäischen Plattform für Ressourceneffizienz" (EREP).

Material Circularity Index
Zusammen mit Granta Design hat die Ellen MacArthur Foundation das Projekt "Circularity Indicators" gestartet. Ziel des Projekt war die Entwicklung einer Messmethodik zur quantitativen Bewertung von Kreislaufwirtschaften. Unternehmen sollten Zugang zu Zahlen gestützten Informationen über ihre Kreislauffähigkeit (Zirkularität) erhalten. Ergebnis war der Material Circularity Indicator (MCI).

Mehr zur MCI-Methodik